Steuervorteile, Chancen – und der entscheidende Haken bei den Kosten
Die geplante Reform der privaten Altersvorsorge bringt ein neues Instrument auf den Markt: das Altersvorsorge-Depot (AV-Depot). Es soll ab 2027 möglich sein, staatlich gefördert in breit gestreute ETFs zu investieren – mit erheblichen steuerlichen Vorteilen.
Doch lohnt sich das wirklich? Und ersetzt das AV-Depot künftig den klassischen ETF-Sparplan?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bis zu 13.680 € Einzahlung pro Jahr möglich
- Staatliche Förderung auf 1.800 € jährlich
- Keine Steuer in der Ansparphase
- Zinseszinseffekt wird deutlich verstärkt
- Aber: Kosten entscheiden über den Erfolg
Wie funktioniert das neue AV-Depot?
Das Konzept ist im Kern einfach – zumindest auf den ersten Blick:
1. Geförderter Teil
- 1.800 € pro Jahr Einzahlung
- Staatliche Zulagen von ca. 480 € jährlich
- Zusätzliche Boni möglich (z. B. für junge Sparer oder Familien)
2. Ungeförderter Teil
- Weitere 5.040 € pro Jahr im selben Vertrag möglich
- Optional zusätzlicher Vertrag mit bis zu 6.840 € jährlich
👉 Gesamtpotenzial: 13.680 € pro Jahr
Das entspricht rund 1.140 € monatlich – genug, um die gesamte private Altersvorsorge darüber abzubilden.
Der große Vorteil: Steuerstundung
Der zentrale Hebel des AV-Depots ist die steuerliche Behandlung:
- Keine Abgeltungssteuer während der Ansparphase
- Keine Besteuerung von Vorabpauschalen
- Steuerfreies Umschichten innerhalb des Depots
Das bedeutet: mehr Kapital bleibt investiert – und arbeitet weiter für Dich.
Ergebnis:
Ein deutlich stärkerer Zinseszinseffekt über Jahrzehnte.
Schon bei moderaten Einzahlungen kann das schnell einen Vorteil im fünfstelligen Bereich bedeuten.
Der entscheidende Faktor: Kosten
Hier wird es kritisch.
Die aktuell diskutierten Rahmenbedingungen sehen einen Kostendeckel von bis zu 1,5 % p. a. vor. Das ist aus Anlegersicht problematisch.
Warum?
Ein einfaches Beispiel:
Praxisbeispiel: AV-Depot vs. ETF-Depot
Die Berechnungen zeigen klar:
Geförderte Beiträge
- Sehr attraktiv
- Selbst bei 0,5 % Kosten p. a. noch deutlich vorteilhaft
Ungeförderte Beiträge
- Vorteil nur minimal bei niedrigen Kosten
- Bei 1,5 % Kosten klar unattraktiv
- Klassisches ETF-Depot kann bis zu 20 %+ besser abschneiden
Besteuerung in der Auszahlphase
Hier unterscheidet sich das AV-Depot deutlich vom klassischen ETF:
- Geförderte Beiträge: volle Besteuerung mit persönlichem Einkommensteuersatz
- Ungeförderte Beiträge:
- Halbeinkünfteverfahren (unter Bedingungen)
- sonst Abgeltungssteuer
Wichtig:
Die Vorteilhaftigkeit hängt stark davon ab, wie hoch Dein Steuersatz im Alter ist.
Flexibilität: ETF-Depot bleibt überlegen
Ein klassisches ETF-Depot bietet weiterhin:
- jederzeitige Verfügbarkeit
- keine Rückzahlung von Förderungen
- steuerliche Teilfreistellung (30 % bei Aktien-ETFs)
Das AV-Depot dagegen:
- ist langfristig gebunden (bis ca. 65)
- bei Kündigung drohen steuerliche Nachteile
- Förderung muss ggf. zurückgezahlt werden
Fazit: Für wen lohnt sich das AV-Depot?
Das AV-Depot kann ein sehr sinnvolles Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau sein – allerdings nicht für jeden und nicht in jeder Konstellation.
Sehr sinnvoll für
Besonders attraktiv ist das AV-Depot für Anleger, die konsequent und diszipliniert über viele Jahre investieren. Wer Anspruch auf staatliche Förderung hat, profitiert zusätzlich von direkten Zulagen und steuerlichen Vorteilen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der persönliche Steuersatz im Alter: Liegt dieser niedriger als in der Ansparphase, verstärkt sich der Vorteil deutlich. Auch für Personen, die ihre Altersvorsorge strikt langfristig ausrichten und keinen Zugriff auf das Kapital vor Rentenbeginn benötigen, kann das AV-Depot eine starke Lösung sein.
Kritisch für
Weniger geeignet ist das Modell für Anleger, die flexibel bleiben möchten und jederzeit auf ihr Kapital zugreifen wollen. Auch kostenbewusste Investoren sollten genau hinschauen: Steigen die Gebühren zu stark an, kann der Vorteil schnell verloren gehen. Besonders bei größeren ungeförderten Einzahlungen zeigt sich, dass ein klassisches ETF-Depot oft die bessere Alternative ist – vor allem, wenn die Kosten im AV-Depot Richtung 1,5 % p. a. gehen.
Klare Einordnung
Das AV-Depot ist kein Ersatz, sondern eher eine Ergänzung zum klassischen ETF-Depot.
Die optimale Strategie könnte sein:
- Geförderten Teil im AV-Depot nutzen
- Ungeförderten Teil weiterhin im ETF-Depot besparen
Entscheidender Punkt für die Zukunft
Der Erfolg des AV-Depots hängt maßgeblich von einem Faktor ab:
Wie stark werden die Kosten reguliert?
- Bei ≤ 0,5 % p. a. → sehr attraktives Produkt
- Bei 1,5 % p. a. → Gefahr eines „Riester 2.0“

